Stiftung Stadtgedächtnis

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„Von Köln – für Köln“

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Der Mittelrheinische Automobil-Club 1904 e.V. (MAC 1904) gehört zu den ältesten seiner Art in Deutschland. In den ersten Jahren war dieser Club ein Motorradclub, erst später wurde er zu einem Automobilclub. Jeder, der die Leidenschaft zum Automobil teilt, kann Mitglied werden. Damals wie heute ist es ein reiner Herrenclub und besteht aus rund 70 Mitgliedern. Der Club veranstaltet regelmäßige Events; die Hauptveranstaltung ist das “Internationale Turnier des Westens”, das seit Adenauers Zeiten stattfindet. 2009 besuchten einige Mitglieder das Kölner Stadtarchiv. Nach einer erneuten Führung im neuen Restaurierungs- und Digitalisierungszentrum des Archivs übernahmen die Mitglieder im vergangenen Jahr in einer Gemeinschaftsaktion die Patenschaft der Restaurierung einer schwer beschädigten Archivalie. Im Gespräch berichtet der Präsident des Clubs, Dr. Klaus Zepp, wie er den Einsturz erlebt hat und gemeinsam mit seinen Mitgliedern beschlossen hat, zu helfen.

Interview

Dr. Klaus Zepp, Präsident des Mittelrheinischen Automobil-Clubs

Dr. Klaus Zepp, Präsident des Mittelrheinischen Automobil-Clubs

Was haben Sie gedacht, als Sie von dem Einsturz erfahren haben?

Zunächst war ich tief bestürzt, dass zwei Menschen dort ihr Leben lassen mussten. Das war eine wirklich traurige Geschichte. Mein zweiter Gedanke widmete sich dem unfassbaren kulturellen Schatz, der dort von der Erde verschluckt worden ist. Man wusste ja damals noch nicht, dass später 95% der Archivalien geborgen werden konnten.

 

War Ihnen die Bedeutung dieses Archivs bewusst?

Das Gebäude war, rein architektonisch gesehen, nicht wirklich schön. Aber das Schriftgut, das darin aufbewahrt wurde, ist natürlich ein echter Schatz. Davor kann man sich nur ehrfürchtig verneigen und sagen: „Donnerwetter, was ist in Köln alles beherbergt“. Bis zu unserer ersten Führung, vor dem Einsturz, wussten wir nicht, dass Köln im Mittelalter die prägende Stadt im nördlichen Europa war. Uns wurde schnell bewusst, dass hier unfassbare Schätze lagern, die nicht nur regional, sondern für ganz Europa von Bedeutung sind. Das ist wirklich phänomenal.

Wie kam es zum Engagement des Automobilclubs zugunsten der Stiftung Stadtgedächtnis?

Wir haben während der monatlichen Treffen über diese Tragödie gesprochen. Es stellte sich schnell heraus, dass es uns allen ein Anliegen war, zu helfen. Ein Mitglied organisierte dann einen erneuten Besuch im Restaurierungs- und Digitalisierungszentrum des Historischen Archivs in Porz. Als wir sahen, wie die Restaurierungsarbeiten funktionieren und voran gehen, waren wir sehr beeindruckt.

Und dann haben Sie eine Restaurierungspatenschaft übernommen?

Dass wir etwas stiften wollten, war sofort klar, aber über eine Patenschaft dachten wir nicht direkt nach. Nachdem wir aber erfahren haben, um welche Archivkunst es sich handelt, hatten wir als Mittelrheinischer Automobil-Club den Ehrgeiz, diese 4000 Euro, die es für dieses konkrete Dokument gebraucht hat, aufzutreiben. Der Betrag war kein Pappenstiel; wir haben alle Mitglieder mobilisiert, um diese Summe zu stemmen. Mit Erfolg. 

Also kam es vor allem durch den persönlichen Bezug zu dieser Patenschaft?

Ja, durch den Besuch waren wir sensibilisiert. Ich denke, wenn das Römisch-Germanische-Museum oder der Dom einstürzt, dann wissen alle, was zu tun ist. Über die Schätze des Stadtarchivs waren wir uns vorher nicht wirklich im Klaren. Die Bibel zum Beispiel, aber auch andere Werke, haben uns sehr beeindruckt. Man konnte die Einmaligkeit förmlich spüren und schnell wurde einem bewusst: „Dat jivet nur einmal auf der Welt und dat liegt in Köln.“

War der regionale Bezug auch ausschlaggebend?

Sicherlich, man kann auch sagen: „Von Köln für Köln“. Es gibt verschiedene Automobil-Clubs in Deutschland, die überregional arbeiten. Da wir ein Kölner Automobilclub sind, sind wir absolut mit Köln verbunden. Da spendet natürlich jeder gerne, da es um unsere Heimatstadt geht.

„Von Köln für Köln“ – Könnte das auch ein Motto für andere sein?

Das glaube ich schon. Man sollte als Kölner etwas für seine eigene Stadt tun, das muss nicht immer nur Karneval sein. Köln hat viel mehr Potential.

Verfolgen Sie die Fortschritte der Restaurierungsarbeiten?

Ich persönlich mache das. Schon aus dem Grund, weil ich als Präsident den Newsletter der Stiftung Stadtgedächtnis erhalte und somit immer auf dem neusten Stand bin. In der Öffentlichkeit und den Medien sollte das Thema aber noch präsenter werden.

Ist es wichtig, diesen Schatz zu retten?

Ja! Ich finde es aus Sicht der Stadt Köln sehr wichtig, so ein bedeutendes Archiv zu besitzen und zu erhalten. Man muss diesen Schatz retten und der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Sehr geehrter Herr Dr. Zepp, vielen Dank für Ihre Unterstützung und das Gespräch.

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