Stiftung Stadtgedächtnis

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Der 3. März 2009, 13 Uhr 58

Das Gebäude an der Severinstraße

Das Gebäude des Historischen Archivs der Stadt Köln an der Severinstraße vor dem Einsturz

Das Gebäude des Historischen Archivs der Stadt Köln an der Severinstraße vor dem Einsturz

Im Jahr 1971 konnte das Historische Archiv einen modernen Neubau an der Severinstraße beziehen, dessen Konstruktionsprinzipien als das „Kölner Modell“ in die Geschichte des Archivbaus eingingen. Der sechsstöckige Magazinbau war schon damals mit einer passiven Klimatisierung versehen, die den Einbau einer Klimaanlage und damit hohe Betriebskosten und hohen Energieverbrauch überflüssig machte, ohne die empfindlichen Archivalien zu gefährden. Dieser wegweisende Grundgedanke wurde bei späteren Archivbauten deutschland- und europaweit kopiert, erweitert und verfeinert. Ausgelegt war der Bau auf einen Zuwachs von 30 Jahren, anschließend wäre ein Neubau erforderlich gewesen. Es gelang zwar, die 30-Jahres-Frist durch verschiedene Maßnahmen zu verlängern – beispielsweise durch Bezug eines Außendepots – jedoch war die Notwendigkeit eines Neubaus bereits vor dem Einsturz am 3. März 2009 gegeben.

Der Einsturz vom 3. März 2009

Die Einsturzstelle an der Severinstraße

Am 3. März 2009, um 13:58 Uhr, ereignete sich das in der deutschen Archivwelt bis zu diesem Zeitpunkt Unvorstellbare. Der Magazinbau des Historischen Archivs der Stadt Köln stürzte binnen drei Minuten ein. Die Untersuchungen zur Einsturzursache sind noch nicht abgeschlossen, ein Zusammenhang mit dem U-Bahn-Bau unter der Severinstraße wird jedoch von vielen als wahrscheinlich angesehen. In jedem Fall wurde der Untergrund unter dem Magazintrakt weggespült. Dem Archiv wurde buchstäblich der Boden entzogen, so dass das Gebäude zusammenbrach und im Fallen nach vorn auf die Severinstraße in den entstandenen Krater sowie in das U-Bahn-Bauwerk kippte.

Der Geistesgegenwart des Haustechnikers und einer Lesesaalaufsichtskraft war es zu verdanken, dass alle Besucher und Mitarbeiter den einstürzenden Gebäudeteil rechtzeitig verlassen konnten. Die beiden Kollegen hatten zunächst verdächtige Geräusche wahrgenommen. Dann traten Risse an der Gebäudefuge zwischen Magazin und Bürotrakt sowie auf der Straße auf. Dank ihres beherzten Eingreifens konnte das Gebäude gerade noch rechtzeitig geräumt werden. Nicht nur der Magazinbau, sondern auch das nördlich angrenzende Nachbarhaus stürzte vollständig ein, sowie in großen Teilen das sich südlich anschließende Wohnhaus. Zwei Bewohner des nördlich angrenzenden Gebäudes kamen dabei ums Leben.

Sechs überirdische Etagen des Magazinbaus und dessen Kellergeschoss, die 1971 für die Aufnahme von insgesamt 26 km Archivgut errichtet wurden, füllten nun als mit Archivgut durchmengter Bauschutt gut die Hälfte des unterirdischen U-Bahn-Bauwerks und bildeten einen ca. 8 m hohen Schuttberg auf der Severinstraße. Fast der gesamte Bürokomplex mit Lesesaal, die rückwärtig angesiedelten Werkstätten sowie die Film- und Digitalisierungsstelle überstanden den Einsturz, obwohl die straßennächsten Bauteile unmittelbar über dem Abgrund schwebten und nicht betreten werden konnten.

Im Vordergrund der Bemühungen der Einsatzkräfte stand zunächst die Suche nach den vermissten Bewohnern der Nachbarhäuser. Erst nachdem ihr Schicksal geklärt war, erhielt die Bergung der Archivalien die höchste Priorität.